Welche sozialen, ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen hat der
Einbau von Kaminen?


1. Funktionalität des Kamins (Sicherheitskamins)

Nutzen:

  • Wärmeversorgung
  • Deckung des Restwärmebedarfs

Auch in einem gedämmten Haus mit energiesparender Bauweise besteht ein gewisser Restwärmebedarf, der mit entsprechender Energie zu decken ist. Dafür ist jedoch ein Kaminofen bzw. eine Einzelfeuerstätte notwendig. Diese kann mit regionalen Energieträgern betrieben werden, wie z.B. Biomasse. Dieser Brennstoff ist CO2 neutral und erzeugt somit nur so viel CO2 wie vorher aufgenommen wurde.

Zusatznutzen:

  • Heizen mit individuellen Feuerstellen am Stand der Technik ist bei Nutzung lokaler Biomasse volkswirtschaftlich, ökologisch und sozial sinnvoll
  • Kosten werden gespart
  • behagliches Wohnen
  • gesundes Raumklima


2. Soziale Auswirkungen

Versorgungssicherheit und Ressourcenschonung

  • jede Wohneinheit muss die Möglichkeit bereitstellen, eine Feuerstätte (z.B. für Holz) an ein geeignetes Kaminsystem anzuschließen
  • nur mit individueller Heizmöglichkeit ermöglicht man die flächendeckende, von Importen und äußeren Einflüssen unabhängige Versorgungssicherheit
  • durch Nahversorgung entstehen keine bzw. nur geringe Transportverluste
  • Versorgung steht durch einen Sicherheitskamin immer zur Verfügung

Sicherheit für den Störfall

Jede Wohnung sollte in Krisensituationen bzw. bei Störfällen auch unabhängig von der Zentralheizung beheizbar sein – und damit ausreichend warm für die Gesundheitserhaltung der gesamten Familie sein.

  • Mögliche Ursachen für Störfälle:

o Lieferengpässe
o Instabilität der Energieversorgungsländer
o Internationale Unruhen
o Blackout in Stromversorgung – keine Zentralheizung funktioniert mehr, eine Feuerstätte (Sicherheitskamin) versorgt jedoch mit wichtiger Grundwärme
o Störfall des Heizsystems
o Scheitern geplanter Energieversorgungsprojekte – s. Nabucco-Pipeline-Projekt

Unabhängigkeit

  • ich kann selbstbestimmt entscheiden, welchen Energieträger ich wähle
  • ich kann selbstbestimmt entscheiden, wann ich heize (z.B. in der Übergangszeit)
  • individuelle Temperaturregelung
  • Energiepreise steigen, besonders die der fossilen Brennstoffe werden aufgrund voraussichtlicher Ressourcenengpässe überdurchschnittlich stark steigen – die Abhängigkeit von Energieversorgern (zB Fernwärme) durch eigene Kaminsysteme wird verringert
  • alle Alternativen (z.B. Passivhauskonzept; Wärmepumpen usw.) sind abhängig vom Netzstrom und sind deshalb durch die Möglichkeit des individuellen Heizens abzusichern.

Leistbares Wohnen und damit Wohnsicherheit

Gerade im gemeinnützigen Wohnbau sollte eine soziale Ausrichtung der Wohnung gefördert werden. Dazu ist es notwendig seine Wohnung ausreichend mit Wärme zu versorgen.

Individuelle Wohnungsgestaltung

  • bedarfsorientiertes Wohnangebot
  • attraktives Wohnumfeld durch Funktionsvielfalt – Wärme durch Zentralheizung und zusätzlichen Kaminlösungen
  • Wohlfühlen durch individuelle Wärmeversorgung


3. Ökonomische Auswirkungen

Beschäftigung und regionale Wertschöpfung

  • Die Produktion und Verarbeitung von Heizmaterial ist ein wesentlicher Beschäftigungsmotor für die Region und trägt damit auch maßgeblich zur regionalen Produktivität und Wertschöpfung bei. Besonders betroffen sind dabei landwirtschaftliche Kleinbetriebe die Energieträger wie z.B. Biomasse zur Verfügung stellen.
  • Kamine werden in Österreich aus den lokal und langfristig verfügbaren Rohstoffen Ton, Sand und Kies in Ressourcen schonenden Verfahren erzeugt und gelangen mit kürzesten Transportwegen zu den Konsumenten.


Wettbewerbsfähigkeit

Wir leben in einer Zeit der Wettbewerbsfähigkeit.

Hohe Wettbewerbsfähigkeit geht nur einher mit günstigen Energiepreisen. Energiepreise können niedrig gehalten werden, wenn ein Teil der für die Wärmeversorgung erforderlichen Energie nicht durch fossile Energieträger und Strom sondern durch regionale Energieträger mit Holz abgedeckt werden kann.

Dazu ist der verpflichtende Einbau von Vorsorge- oder Sicherheitskaminen ein wichtiges Zeichen und ein wichtiger Schritt.

Das vorhandene Energiepotential muss durch Energieeinsparung und dezentrale Energieerzeugung entlastet werden um die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs zu stärken.

Wirtschaftliche Heizform

In der Übergangszeit oder an kühlen Sommertagen lohnt es sich häufig noch nicht, die Zentralheizung einzuschalten.

In dieser Zeit ist die Wärmegewinnung durch den Einsatz eines Kamins am wirtschaftlichsten. Denn der bei geringer Auslastung sinkende Nutzungsgrad der Zentralheizung lässt den Energiebedarf ansteigen. Ein Kaminofen kann dann das Haus jedoch vorübergehend heizen und die Wärmegewinnung wird somit gewährleistet.

Wertbeständigkeit des Objektes

  • Der Wert eines Kamins beträgt nur ca. 1% der Bausumme und stellt damit verhältnismäßig geringe Erstinvestitionskosten zur gesamten Energieversorgung dar. Außerdem wird die Wertbeständigkeit des Objektes durch den Einbau eines Kamins wesentlich unterstützt. Der Marktwert wird gesteigert.

Wohnbaukosten

  • bei der Herstellung eingesparte Kosten (z.B. Wegfall Notkamin) gewährleisten nicht, dass die eingesparten Kosten auch an den Mieter weitergegeben werden
  • mit Gesetzesänderung wird kein leistbares Wohnen garantiert, stattdessen wird die österreichische Bauqualität untergraben und ausgehöhlt

Wohnbauförderung

  • Wiedereinführung der zweckgebundenen Wohnbauförderung
  • Förderungen müssen sich ganzheitlich an den Kriterien nachhaltigen Bauens orientieren


4. Ökologische Auswirkungen

Erhöhte Energieeffizienz durch sparsamen Ressourceneinsatz

  • Heizen in Übergangszeiten
  • Heizen mit Holz ist ökologische, wirtschaftliche und nachhaltige Lösung (CO2 neutral)
  • nachhaltige Verringerung des CO2 Ausstoßes
  • CO2 Emissionen sind aufgrund Sanierungsmaßnahmen im Gemeinnützigen Wohnbau rückläufig
  • die Feinstaubbelastung kann bis zur Messbarkeitsgrenze minimiert werden


5. Gesellschaftliche Auswirkungen

  • Unabhängigkeit der Gesellschaft
  • gesundes Wohnen – Senkung der Gesundheitskosten
  • Erhöhung Wohnzufriedenheit durch soziale und ökologische Aspekte
  • regionale Versorgung
  • österreichische Wohnbau ist von höchster Qualität und optimierten Kosten geprägt

 

Quellen:

Initiative Pro Kamin: www.prokamin.at

ProPellets Austria: Jahresdurchschnittspreise von Energieträgern im Jahresverlauf, Stand Juni 2013

STATISTIK AUSTRIA: Lebensbedingungen und Erwerbsstatus von niedrigen, mittleren und hohen Einkommensgruppen, Erstellt am 17.12.2012

STATISTIK AUSTRIA: Mikrozensus. Ergebnisse im Überblick: Hauptmietwohnungen und Wohnungsaufwand nach Bundesland (Zeitreihe), Erstellt am 14.06.2013

Österreichischer Verband gemeinnütziger Bauvereinigung: Schaffung von Public Value – zentrale Aspekte und strategische Konsequenzen am Beispiel der gemeinnützigen Wohnwirtschaft, Wien, Oktober 2011

Verband Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke (VÖB): Umfrage zur Attraktivität von Kachel- und Kaminöfen in Oberösterreich

Verband Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke (VÖB): Positionspapier, Harmonisierte Bauordnung – Reform des Wohnbaus; Position der Österreichischen Kaminerzeuger zum verpflichtenden Einbau eines Sicherheitskamins, 2010